Nüsslisalat, Rapunzel und ein Märchen
Die Märchenfigur mit dem langen Haar heisst nach einem Salat, nicht umgekehrt. Und in den ältesten Fassungen der Geschichte ging es um Petersilie.
1 Min. Lesezeit · 6. Oktober 2026
Symbolbild, KI-generiertKaum ein Salat hat so viele Namen wie der kleine, zarte Wintersalat. In der Schweiz sagen wir Nüsslisalat, wegen seines leicht nussigen Geschmacks. In Deutschland heisst er Feldsalat, in Österreich Vogerlsalat, dazu kommen viele regionale Namen. Botanisch ist er Valerianella locusta. Und einer seiner alten Namen ist Rapunzel.
Ein Salat als Lösegeld
Das Märchen kennen fast alle: Eine schwangere Frau sieht im Garten einer Zauberin herrliche Rapunzeln und will unbedingt davon essen. Ihr Mann klettert über die Mauer und stiehlt sie. Er wird erwischt und muss der Zauberin zur Strafe das Kind versprechen. Die Zauberin nennt das Mädchen Rapunzel und sperrt es später in einen Turm. Die Prinzessin heisst also nach dem Salat, nicht der Salat nach der Prinzessin.
Die Brüder Grimm veröffentlichten die Geschichte 1812 in ihren «Kinder- und Hausmärchen» als Märchen Nummer 12.
Welcher Salat genau?
Ganz eindeutig ist das nicht. Mit «Rapunzel» war früher nicht nur der Feldsalat gemeint, sondern auch die Rapunzel-Glockenblume, deren Blätter und Wurzeln ebenfalls als Salat gegessen wurden. Welche Pflanze im Garten der Zauberin wuchs, verrät das Märchen nicht.
Ursprünglich ging es um Petersilie
Das Märchen ist älter als die Grimm-Fassung. Es geht auf «Petrosinella» des Italieners Giambattista Basile zurück. Die französische Schriftstellerin Charlotte-Rose de La Force machte daraus 1697 «Persinette». In beiden Fassungen begehrt die schwangere Frau Petersilie, daher auch die Namen. Erst der Deutsche Friedrich Schulz machte 1790 in seiner Übersetzung aus der Petersilie Rapunzel. Jacob Grimm übernahm die Geschichte von ihm.
Der Tipp aus Olgas Küche
Nüsslisalat ist so zart, dass er unter einer Sauce schnell zusammenfällt. Deshalb die Sauce erst am Tisch darüber geben. Am besten schmeckt er klassisch mit gehacktem Ei, knusprigem Speck und Croûtons. Und mit Olga’s Salatwunder.
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